Die Proteste wirken – Alles nur ein banaler „Fehler“ bei Twitter?

Heute melden einige Twitterer unter dem Hashtag #shadowban, dass es sich bei der Einschränkung der Reichweite vieler Twitter-Nutzer nur um einen „Fehler“ in einem „Spamfilter“ handeln soll. Eine Onlinezeitung*), berichtet, dass „ein technisches Problem dazu geführt (hat), dass Accounts mehrerer Nutzer nicht mehr über die Suchfunktion gefunden werden konnten.“ Twitter selbst – man höre und staune – „wies entschieden zurück“, dass es sich hierbei um einen „Shadowban“ handeln würde.

Wörtlich wird in dem Artikel der Onlinezeitung ein Twitter-Sprecher zitiert: „Wir haben ein Problem mit einem unserer Spam-Filter, der die Suchfunktion auf Twitter beeinflußt hat. Dies hat dazu geführt, daß einige Inhalte und Konten in der Suche nicht mehr verfügbar sind. Unsere Teams arbeiten daran, das Problem zu lösen und wir erwarten, daß Twitter schon sehr bald wieder wie gewohnt funktioniert.

Das ist schon sehr interessant, zumal es sich nicht nur um „mehrere“ oder „einige“, sondern um zigtausende Twitter-Nutzer weltweit handelt, die vom „Shadowban“ betroffen waren und sind. Hinzu kommt, dass dieser „Fehler“ auch nicht erst seit paar Tagen, sondern bereits seit vielen Monaten existiert! In den USA tauchen erste Berichte bereits Anfang 2016 auf!

Daher ist diese Aussage von Twitter, es handele sich um einen „Fehler im Spam-Filter“, zumindest anzuzweifeln. Man fragt sich natürlich auch, warum Twitter seit Monaten auf  Abertausende von Beschwerden nicht reagiert hat. Warum sollte ein „angeblich banaler Fehler“ denn so offensichtlich verheimlicht und trotz Protesten, trotz Beschwerden und Hinweisen so lange ignoriert werden? Erst jetzt, wo die ganze Thematik so hochkocht, kommt Twitter aus dem Loch gekrochen und redet von einem „Fehler“ im System? Ich für mein Teil hätte eine bessere und vor allem sinnvolle, von der Logik her stimmige „Ausrede“ erwartet.

Das alles spricht nicht für Transparenz und Offenheit von Seiten Twitter. Deshalb kann man Twitter auch nach wie vor kein Vertrauen entgegenbringen. Und erst recht so lange nicht, bis sich Twitter in einen offenen Dialog mit den Nutzern einlässt und eine einfache, funktionierende Kontaktaufnahme in Problemfällen ermöglicht. Hier muss man sich ganz schnell etwas einfallen lassen, damit die Glaubwürdigkeit von Twitter nicht gänzlich ruiniert wird! Und dass sich Twitter ausgerechnet gegenüber einer eher „konservativ“ und „rechts“ orientierten Onlinezeitung – von deren sonstigen Inhalten wir uns als neutrales Medium hier klar distanzieren – so „spontan“ äußert und unsere ganzen Anfragen und Kontaktversuche der letzten Monate geflissentlich ignoriert hat, ist eigentlich nicht erstaunlich, sondern lässt eher tief blicken!

Auch der „Bayerische Rundfunk“ hat sich mit dem Thema beschäftigt. Allerdings bislang mehr nur ein Abdruck der Twitter-Argumente.

Die TAZ steigt etwas mehr in das Thema ein und erwähnt in dem Artikel auch unsere Initiative. Vielen Dank dafür.

Man sieht: Es tut sich was! Wir werden jedenfalls weiter verfolgen, wie sich die Situation entwickelt!


Nachtrag:
Der Bayerische Rundfunk hat uns folgende Stellungnahme geschrieben:

Es kann durchaus sein, dass seit Monaten Menschen in Spam-Filtern landen. Deshalb ist es ja gut, dass das jetzt durch die JF und andere Aufmerksamkeit bekommt.

In den Fällen in den USA, die mir bekannt sind (eher Anfang 2017) gab es von Twitter bei vorübergehenden Sperrungen immer eine Benachrichtigung. Deshalb sagen die auch, dass sie nicht „Shadow“-bannen.

Alles andere sind Spamfilter, oder Nutzer, die Follower churnen, oder sich anderweitig nicht an die vielen Regeln halten. Für Nutzer genauso ärgerlich, klar.

mit besten Grüßen,

M.Muth


Unsere Anmerkung dazu:
Das ist schon in weiten Teilen richtig, jedoch gehen die Anfänge des Shadowbans bereits auf Anfang 2016 in den USA zurück. Während Anfang 2017 offenbar User in den USA „benachrichtigt“ wurden, ist dies in Deutschland/Europa jedoch nie geschehen und muss daher als „Shadowban“ gewertet werden. Zudem haben wir Hunderte von Twitter-Nutzern, die trotz regelkonfomen Verhalten in den Shadowban geschickt worden. Natürlich durch „Automatismen“, die nun pauschal als „Spam-Filter“ hingestellt werden. Mit dieser „Allround-Erklärung“ als „Totschlagargument“ macht man es sich jedoch einfach zu leicht!

Wir bleiben dran.

*) Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass zitierte oder verlinkte Quellen nicht die Meinung von „shadowban.de“ wiederspiegeln!

3 Gedanken zu „Die Proteste wirken – Alles nur ein banaler „Fehler“ bei Twitter?“

  1. „Man fragt sich natürlich auch, warum Twitter seit Monaten auf Abertausende von Beschwerden nicht reagiert hat.“

    Das kann ich schnell erklären. Nutzer, die von diesem „Fehler“ betroffen waren, waren zudem nicht in der Lage den Support anzuschreiben. Was das mit Spam zu tun hat weiß ich nicht. Es wäre zumindest ein effektives Mittel um massenhafte Anfragen zu verhindern, die Server belasten könnten, wenn man währenddessen am hauseigenen Filtern herumtestet.

    1. Das ist richtig. Direkt den Support zu kontaktieren ist unmöglich. Schon deshalb KANN es sich m.E. nicht um einen „Fehler“ in den „Spamfiltern“ gehandelt haben. Dazu sind die „Störungen“ viel zu komplex.
      Beschwert wurde sich aber trotzdem massenhaft. Nämlich auf der Twitter-Support-Seite. Genutzt hat es freileich bislang nichts. „Aufgeflogen“ ist die Sache auch erst jetzt, weil Journalisten betroffen waren. Und eine „schlechte Presse“ möchte Twitter natürlich nicht. Daher nun die „hektischen“ Reaktionen von Twitter!

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