Meine Gedanken: Wie wird man vermutlich Opfer im „Shadowban“?

Aus den Medien ist bekannt, dass die Betreiber von Plattformen wie Twitter aufgefordert werden, Beiträge, die beleidigen oder Hass darstellen, Gewalt verherrlichen bzw. dazu aufrufen, zu sperren. An sich ein Vorgehen, das zu begrüßen ist und auch Twitter versucht offenbar, dies umzusetzen. Leider scheint dieses Aussortieren nicht so recht zu funktionieren, denn immer mehr völlig unschuldige Nutzer des Twitter-Netzwerkes werden gebannt, ohne dass sie sich hier etwas vorzuwerfen hätten. Der „Algorithmus“, den Twitter hier anwendet, scheint also in weiten Teilen zu versagen!

Nachdem ich selbst jetzt schon zwei Accounts wegen der Verbannung in die „Unsichtbarkeit“ aufgeben musste, und ich auch mit meinem neu eingerichteten Twitter-Account schon nach wenigen Tagen im „Shadowban“ landete, habe ich mal ein wenig meine Timeline (TL) durchgesehen. Im Ergebnis bin ich nach wie vor überzeugt, nichts getan zu haben, was gegen die Twitter-Nutzungsbedingungen verstößt. Genau so wenig habe ich in irgendeiner Art und Weise verbotene oder rechtswidrige Dinge getan und schon gar nicht jemanden angegriffen bzw. beleidigt.

Da ich mich selbst jahrelang beruflich mit Statistik und Datenaufbereitung beschäftigt habe, reiften in mir ein paar Gedanken zur Problematik. Und die Gedanken sind ja immer noch „frei“ – auch Twitter gegenüber. Als Ergebnis gehe ich gedanklich von gewissen Mechanismen aus, die ich – wie ich betone – allerdings auch nur vermuten kann und aus den Beobachtungen resultieren:

Twitter nutzt vielleicht eine Art „Score“-System, so wie es auch Banken oder die Schufa verwenden. Das heißt, jeder Nutzer wird nach bestimmten Faktoren „bewertet“. Gewisse „Tätigkeiten“ oder „Verhaltensweisen“ erhöhen bzw. erniedrigen den Score. Beim Überschreiten einer gewissen „Grenze“ werden dann Konsequenzen ausgelöst. Bei Twitter möglicherweise der „Shadowban“.

Deshalb ist auch ein einzelnes konkretes Ereignis, das zum Bann geführt hat, für die Nutzer in der Regel nicht auszumachen. Wenn ich mir meine Timeline (TL), die ja in meinem „neuen“ Account noch nicht soooo lang ist, ansehe, gehe ich mittlerweile davon aus, dass folgende „Tätigkeiten“ den Score erhöhen könnten:

  • Retweets bei Nutzern mit bereits „erhöhtem“ Score, bzw. Nutzern, die sich aktuell im „Shadowban“ befinden.
  • Das Folgen eines Nutzers mit bereits erhöhtem Score oder im Shadowban befindlich.
  • Antworten in Tweets, die von Nutzern mit erhöhtem Score erstellt wurden, oder in einem Tweet ebenfalls geantwortet haben.
  • Das Posten in Hashtags, in denen sich viele Nutzer mit erhöhtem Score bewegen.
  • Das Posten in Hashtags, die aus irgendwelchen Gründen und Faktoren für Twitter „auffällig“ sind. Vielleicht gehört „gefragtgejagt“ dazu. Auffällig bei mir ist, dass für mich eigentlich erst seit meiner aktiven Teilnahme in diesem Hashtag die „Probleme“ angefangen haben.
  • Das Posten von Bildern, die im Internet (z.B. über die Google-Bildersuche) verfügbar sind. Möglicherweise sieht Twitter darin eine Art „Copyright“-Verletzung.
  • Ich habe in letzter Zeit häufig Accounts von Werbeanzeigen (gesponserte Tweets) blockiert. Vielleicht erhöht diese „Verweigerung“ auch den Score.
  • In letzter Zeit habe ich häufig „Spammer“ bei Twitter gemeldet und blockiert. Eventuell ist auch diese Häufung „auffällig“ für Twitter und Grund zur Erhöhung des Scores. Wird man u.U. selbst von jemandem „blockiert“ oder bei Twitter „gemeldet“ (auch unbegründet), erhöht dies eventuell ebenfalls den Score. Vielleicht – rein hypothetisch – nutzen das auch vom Nutzer blockierte Spammer, in dem sie mit einem Automatismus jeden Nutzer bei Twitter wiederum „melden“, der sie blockiert.
  • Und natürlich die Nutzung gewisser Worte, Floskeln und Ausdrücke in den Tweets, die auf einer internen „schwarzen“ Liste bei Twitter stehen, sowie der berühmt, berüchtigte „Analyse-Algorithmus“, der die Ausdrucksweise, den Schreibstil und andere Faktoren in textlicher Hinsicht berücksichtigt. Auch hier dürften zusätzliche Faktoren, wie der Scorewert des Tweeterstellers – auch wenn man selbst hier nur antwortet bzw. retweetet – eine Rolle spielen und Einfluss auf den Score haben. Alles in allem Dinge, die ein „normaler“ Nutzer also weder bewusst noch wissend beeinflussen oder steuern kann.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies natürlich alles nur Vermutungen und keine Tatsachen sind, denn die können letztendlich eh keine Außenstehenden – wie wir „normalen Twitter-User“ – beweisen oder gar nachweisen. Aber bei Twitter hätte man ja die Gelegenheit zur Aufklärung. Statt dessen herrscht dort eisiges, überhebliches Schweigen. Jeder kleinste Versuch zur Kommunikation mit Twitter wurde bisher geblockt oder verlief einfach im Sande! Man ist an einem Dialog nicht interessiert. Das lässt tief blicken, denn offene Kommunikation sieht anders aus! Twitter streitet jedoch – trotz anderslautender Beweise – jegliche Form von „Shadowban“-Mechanismen ab. Als der Druck kürzlich zu groß wurde, weil auch Journalisten betroffen waren, wollte man dies mit einem Fehler in den Spamfiltern kleinreden, der angeblich abgestellt wurde. Dies ist nachweislich allerdings schlicht falsch, die meisten Medien ließen sich damit jedoch erst einmal „beruhigen“. Leider ein neuerlicher medialer Irrtum!

Schon allein durch die Nutzung eines aus vielen Einzelfaktoren bestehenden Scoresystems ist Außenstehenden jede Möglichkeit genommen, die Dinge „nachvollziehen“ zu können. Wir können allerdings von Twitter verlangen, die Technik so einzusetzen, dass keine Unschuldigen betroffen sind und damit zu Unrecht diskriminiert werden.

Jetzt ist Twitter am Zug! Wir warten….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

eins × eins =